Bei den Mädchen beginnt die Pubertät mit etwa zehn Jahren, die Jungs sind meist etwas später dran. Dann werden aus Kindern langsam Jugendliche und in den Familien ändert sich nach und nach im täglichen Miteinander fast alles.

Schuld daran sind Umbauprozesse verschiedener Hirnregionen. Noch ist vieles davon nicht genau erforscht, doch auf einige Tatsachen stützen sich die Wissenschaftler. So reift am Anfang der Pubertät die graue Substanz, eine wesentliche Komponente des zentralen Nervensystems. Die in der Kindheit ausgebildeten Verschaltungen zwischen Nervenzellen und Synapsen werden wieder gelöst, neue Verbindungen bilden sich. Diese gewährleisten einen rascheren Informationsfluss und eine Zunahme der weißen Substanz, die Teile des Zentralnervensystems also, die aus Leitungsbahnen bestehen und der grauen Substanz gegenüberstehen.

Zu Beginn der Pubertät sind Hirnteile von Veränderung betroffen, die für Bewegung, Wahrnehmung und Sprache verantwortlich sind. In diesem Stadium bestimmt das sogenannte limbische System das Verhalten der jungen Menschen, hier stehen die Emotionen im Mittelpunkt. Besonders wichtig sind in dieser Phase der Mandelkern, der Infos von außen verarbeitet und der Nucleus accumbens, der eine große Rolle im Belohnungssystem spielt und bei der Entstehung von Sucht mitwirkt.

Für Glücksgefühle ist beim Menschen das Dopamin zuständig, beim Jugendlichen ist die Zahl der Rezeptoren wohl noch gering, die Wissenschaftler nehmen deshalb an, Jugendliche benötigten stärkere Auslöser. So kann man die Experimentierfreude mit Alkohol und Drogen erklären, Rauschmittel führen zu Dopaminausschüttung.

Zudem reift der Präfrontalkortex, ein Teil des Frontallappens der Großhirnrinde, als eine der letzten Hirnregionen heran. Dieser Bereich  hat Anteil an der Steuerung der Impulskontrolle. Jugendliche müssen sich mit ihrer Sexualität auseinandersetzen, was nicht einfach ist, trotz oder gerade wegen youtube ect. Hinzu kommt die Entwicklung des Selbstbewusstseins, welches Wissenschaftler mit Oxycotin in Verbindung bringen. Dieses Hormon spielt eine Rolle bei unserem Verhalten, so soll es soziale Bindungen verstärken; in der Pubertät lenkt es wohl die Selbstwahrnehmung.

Veränderungen beim Melatonin, dem Schlafhormon, sorgen schließlich dafür, das Jugendliche immer später ins Bett gehen.

All diese Umbauten sind eine enorme Leistung des Körpers und der Psyche. Jugendliche befinden sich in einer Art Ausnahmezustand, den man, wie die Wechseljahre auch, als Krise bezeichnen kann. Und in jeder schwierigen Phase kann man abdriften, in Abhängigkeit von Drogen oder Alkohol beispielsweise, aber auch Depressionen sind bei jungen Menschen recht häufig.

Leichtsinn, Reizbarkeit, chronische Müdigkeit, Selbstüberschätzung sind also keine schlechten Eigenschaften, sondern gehören zur Pubertät und legen sich danach wieder.

Für Eltern ist es eine Gradwanderung abzuwägen, wann sie einschreiten müssen und wann es besser ist, großzügig zu sein. Dazu ist es enorm wichtig, den Kontakt zueinander nicht zu verlieren. Miteinander reden, Interesse am täglichen Umgang zeigen, sich über die großen Fragen des Lebens auseinandersetzen. Wenn das gelingt, ist viel gewonnen.